Schlafen im Geländewagen ...

… kann man in vielen Ausführungen.

Eine Entscheidungshilfe
Klappdach - Dachzelt - Kabine

Der Wunsch im Auto gut schlafen zu können entstand schon bald, nachdem ich den Land Rover kaufte. Auf der ersten Reise baute ich nur eine provisorische Liege für den Laderaum. Es war eine schöne Reise über die ligurische Grenzkammstrasse, aber natürlich konzeptbedingt viel umständlicher als sie hätte sein müssen.
Aus heutiger Sicht nach gut 20 Jahren des Umbaus kann ich sagen, dass es wohl im wesentlichen drei Fraktionen von Reisenden mit Übernachtungsmöglichkeit im eigenen Geländewagen gibt. Da ist die Klappdachfraktion, die Dachzeltfraktion und die Kabinenfraktion.
Da ich mich frühzeitig für das Klappdach entschied, gibt es zu den anderen Varianten weniger persönliche Erfahrungen, aber man tauscht sich ja untereinander aus. Dennoch werden Unterschiede schnell klar. Jede Variante hat ihre Freunde und ihre Daseinsberechtigung. Es gibt also auch hier mal wieder keine optimale Lösung, sondern nur Lösungen, die momentan am Besten zu einem passen. Für mich ist das ein Klappdach … und nicht nur das … es ist ein quer aufklappendes Klappdach.

Die Kriterien, die man bei der Entscheidung für eine Schlafgelegenheit in Betracht ziehen sollte sind darum:

  • Wie lange will man stehen bleiben?Auf- und Abbau kann ja viel Arbeit sein und lohnt sich unter Umständen nur für längere Zeiten. Will man immer nur für eine Nacht aufbauen?

  • Will man nur zum Semmeln holen alles einpacken? Wo soll gefrühstückt werden?

  • Wie lange möchte man sich für Auf- und Abbau Zeit nehmen

  • Was passiert, wenn man oft nass verpacken muss?

  • Wie wichtig ist der nächtliche Komfort?

  • Man muss bei keiner der Varianten Zelten und auf dem Boden schlafen, aber Klappdach und Dachzelt kommen dem Zelten schon sehr nahe.

Das merkt man spätestens bei der Windempfindlichkeit. Alles kann flattern und knattern, wenn starker Wind weht. Ich hatte in Island schon so starken Wind, dass andere ihr Klappdach bereits schlossen. Mein quer aufklappendes stand perfekt in der Windrichtung und blieb deshalb offen. Ich würde jedoch sagen, dass 70 km/h in offenem Gelände bereits an der Grenze ist. Ein Dachzelt ist da noch einmal deutlich empfindlicher. Eine Kabine wackelt eigentlich nur.

  • Die resultierende Fahrzeuggrösse bestimmt, wo man fahren kann.

Soll eine Kabine alle ihre Vorteile ausspielen, dann muss sie breiter als das Auto sein. Was so manches italienische Bergdorf schon zu einem Problem macht. Die Höhe bestimmt auch Fährpreise und ist ausschlaggebend für einen Bahnverlad. Auch nicht jeder Pfad im Wald lässt sich ab einer bestimmten Grösse der Kabine bewältigen. Je nach Untergrund kippt die Fuhre gerne zur Seite und schon lehnt die teure Kabine an einem Baum und hat dauerhafte Spuren. Dabei ist noch gar nicht von Kratzern die Rede, die man sich auf engen Wegen an bewachsenen Seiten zuzieht und die an der ganzen Kabine entlang verlaufen. Man merkt es sofort, weil ein wirklich hässliches Gräusch entsteht. Zurück setzen sollte man trotzdem nicht, denn wenn es ein abgebrochener Ast ist, an dem man entlang schürfte, dann spiest er sich beim Zurücksetzen erst richtig.

Auch muss man sich Gedanken machen, ob das Fahrzeug ein Daily Driver sein soll. Ein Klappdach oder eine Kabine fährt man immer herum, auch zum Einkaufen oder zur Arbeit. Im Alltagsgebrauch sorgt das durch das höhere Gewicht für unnötig hohen Treibstoffverbrauch. Ein Dachzelt kann bei Nichtgebrauch einfach abgebaut und irgendwo verstaut werden. Geschickt ist es sicher, wenn man es in der Garage einfach komplett mit dem Träger mithilfe eines Flaschenzuges nach oben unter die Decke zieht. Am unproblematischsten als Daily Driver ist sicher ein Dachzelt, gefolgt vom Klappdach.

Klappdach

Bei mir wurde es wie geschrieben ein quer aufklappendes Klappdach. Ich gestehe, dass ich mir über alle die Punkte, die ich hier beschreibe, vorher nur sehr oberflächlich Gedanken machte. Für mich war das ganze Metier ja völlig neu. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass diese Entscheidung für mich goldrichtig war. Möglicherweise gibt es da aber auch eine gewisse kognitive Dissonanz nach dem Motto "Wenn ich es schon gebaut habe, dann muss es doch auch gut sein!"

Spezielle Eigenheiten des quer aufklappenden Daches.

Da ich mit 1,85m etwas grösser bin, hatte ich Befürchtungen, dass der Fussbereich bei einem über der Windschutzscheibe angeschlagenen und damit längs aufklappenden Dach, für mich zu eng sein könnte. Also baute ich ein quer aufklappendes Dach. Das hatte gleich noch zwei weitere Vorteile, mit denen ich eigentlich gar nicht rechnete. Es ergibt Stehhöhe über fast die ganze Länge im Auto, wenn das Bett noch oben in die Dachschale geklappt ist. Der noch viel grössere Vorteil, der sich erst im Laufe der Zeit heraus kristallisierte ist, dass ich völlig problemlos in beiden Richtungen schlafen kann, je nachdem, ob das Auto nun vorne oder hinten höher steht. Nicht jeder Untergrund ermöglicht es, dass Auto wirklich waagrecht hin zu stellen und so muss ich nie mit dem Kopf nach unten schlafen.  Mit dem Kopf im Scharnierbereich bei einem längs aufklappenden Klappdach, also an der engsten Stelle gefiel mir eh nicht gut.
Das quer aufklappende Dach bot auch die Möglichkeit eine sehr gut zugängliche Küchenabteilung mit Kochstelle im Auto einzubauen. Kochen im Auto ist etwas, das grundsätzlich viel Kondenswasser erzeugt. Deshalb tut man es nur in Ausnahmefällen, wenn man alle Fenster gut öffnen kann. Aber die Möglichkeit dazu zu haben hat sich bereits des öfteren bewährt.

Im Auto zu kochen und auch mit zwei Personen essen zu können ist mit dem quer aufklappenden Dach deutlich besser möglich, als im längs aufklappenden. Man sollte sich jedoch im Klaren drüber sein, dass im Auto kochen in beiden Formen des Daches  eine Ausnahmelösung ist. Ein relativ kleiner Geländewagen ist ja überhaupt eher für Transport und übernachten da. Gelebt wird sowieso draussen.

Dachzelt

 

Bilder Sabina Bober

Der grösste Vorteil des Dachzeltes ist sicher, dass man es einfach abnehmen kann, wenn man es nicht braucht. Es macht das Auto dann zu einem normalen PKW. Ein weiterer Vorteil ist, wenn man am Morgen das Zelt öffnet und möglicherweise noch im Schlafsack schon an frischer Luft einen schönen Blick in die Landschaft geniessen kann..
Um mit dem Dachzelt allerdings eine nicht einsehbare Umkleidemöglichkeit zu haben, bedarf es schon etwas mehr Aufwand. Dann muss man ein Dachzelt nehmen, das seitlich über das Auto hinaus aufklappt. Dieser Mechanismus ist oft so gestaltet, dass sich das Zelt durch das Aufklappen gleich wie von Zauberhand aufrichtet. Die aufgeklappte Fläche lässt sich aber nach unten rundum abhängen und bietet dadurch noch einen geschlossenen Raum.
Ein anderer Nachteil – je nach Konstruktion des Dachzeltes - kann sein, dass man es möglicherweise nach einer verregneten Nacht nass einpacken muss. Matratze und Bettzeug sollten dann eigentlich ins Auto gesteckt werden, da sonst alles klamm wird.
Ein extremes Beispiel für so etwas ist diese folgenden Luxusversion. Hier handelt es sich um einen regelrechten Palast auf dem Dach, der das Innere des Autos auch noch integriert. Wenn ich mir allerdings vorstelle wie viel Zeit man für so etwas braucht, dann fährt man wohl morgens nicht mal eben schnell zum Semmeln holen. Dafür hat man auf dem Campingplatz aber sogar einen überdachten Freisitz vor dem Auto. Einfach demontierbar ist dieses Beispiel jedoch nicht mehr.

Kabine

Eine Kabine hat den Vorteil, dass man sie immer reisefertig drauf hat … sie hat aber auch den Nachteil, dass man sie IMMER drauf hat. Dadurch wird die Nutzungsmöglichkeit des Fahrzeuges recht einseitig festgelegt.

Ein grosser Vorteil ist jedoch, dass sie mehr Komfort als alle anderen Möglichkeiten bis hin zur Duschkabine bietet. Eine feste Kochstelle bietet sich an und Stehhöhe gibt es auch. Etwas kompaktere Kabinen erreichen das, indem oben ein niedriges Hubdach drauf ist, das Stehhöhe herstellen kann.

Bild Sepp Reithmeier

Bei Nutzung einer Kabine muss jedoch sehr penibel auf das Gewicht geachtet werden. Vor allem bei PickUps kommt es durch ungünstige Gewichtsverteilung nicht nur zu ungünstigen Fahreigenschaften, sondern sogar zu Rahmenbrüchen. Im Explorer Magazin findet man dazu ausfühliches Material. Ich erlebte es selbst bereits, dass ein umgebauter LT28 Transporter mit Kabine hinten drauf vorne so leicht wurde, dass er auf regennasser Fahrbahn trotz eingeschlagener Lenkung geradeaus fahren wollte.

 Letzten Endes lohnt es sich tatsächlich, zumindest auf einer Messe, mal praktisch tätig zu werden, um zu sehen, worauf man sich wirklich einlässt. Aufbauen und Abbauen sollte man schon mal gemacht haben. Es ist sicher doof, wenn man unterwegs feststellt, dass man es besser anders gemacht hätte.
Deshalb bietet sich ein Dachzelt zum Einstieg immer an. Egal ob es eine Hartschale zum Aufklappen hat, oder ein reines Zelt ist. Man kann sich immer einfach davon trennen und etwas anderes probieren, ohne viel Geld in den Sand gesetzt zu haben.

Bei all dem geht es primär um «käufliche» Lösungen. Natürlich lässt sich alles auch selbst bauen und darum denke auch ich über die nächste Entwicklungsstufe nach. Im Prinzip bin ich wie öfter schon erwähnt mit dem Konzept meines quer aufklappenden Daches sehr zufrieden. Mehr Platz wäre jedoch nett und darum denke ich an eine geänderte, seitlich ausgestellte Plane mit einer Luftverstrebung aus eingenähten Fahrradschläuchen. Aufklappen, aufblasen, fertig.