2017/18 Island im Winter

Nachdem ich nun schon ein paar im Sommer auf Island war, hatte ich das Bedürfnis auch mal im Winter da zu sein. Erwartungen? Ja und Nein. Ich wollte gerne die Polarlichter sehen und selbstverständlich das Land, die vereisten Wasserfälle und Reykjavik mit meinen Freunden. Andererseit kannte ich ja alles schon ... nur anders.

Ein kleines Resume bereits vorab: Das Land ist auch im Winter atemberaubend. Aber man merkt sehr deutlich, dass all die Touristen sich nicht so gut verteilen können wie im Sommer. Alles ist auf dem Golden Circle unterwegs und man kann kaum entfliehen. Dazu ist über Sylvester eine Hochsaison. Mein Kumpel aus Reykjavik sagte, dass über Neujahr in Reykjavik nur 0,8% der Zimmerkapazitäten frei waren. Da kann man echt froh sein, wenn man privat bei Freunden untergebracht ist. Es ergab sich also, dass ich erst mal meine Freunde kontaktierte. Dann wurde ich glatt zum 7. Geburtstag ihres Sohnes eingeladen und zu Sylvester.
Unser erster Eindruck war also gleich mal, wie die Isländer Kindergeburtstag feiern und wie sie Sylvester feiern. Der Kindergeburtstag war quasi wie bei uns, vielleicht waren die vielen Kuchen und Torten etwas süßer.
Sylvester jedoch war extrem abgedreht. Soviel Knallerei hab ich noch nirgends erlebt. Das hat einen eifachen Grund: Der isländische Search and Rescue Verein, bei dem auch viele ehrenamtlich arbeiten, finanziert sich durch den Verkauf von Feuerwerk an Silvester. Das ist den Menschen viel wert.
Die Ballerei an Sylvester ging sage und schreibe 1 ½ Wochen lang.
Immer wieder gab es an verschiedenen Plätzen deutlich vernehmbar und sichtbar Feuerwerk. Nicht nur ab und zu ein Knaller, nein ... FEUERWERK. Am Ortsrand von Kopavogur wurde ein riesiges Lagerfeuer aus hunderten von Paletten angezündet.
Der Perlan über der Stadt ist sehr gemütlich zum Brunchen. Es ist ein Heisswasserspeicher, versorgt aus Geothermalgebieten mit Restaurant. Von hier aus wird quasi ganz Reykjavik, inklusice Teile der Fussgängerzone geheizt.

Beim Landytreffen im Norden machten sie noch Lagerfeuer mit Wachsscheiten aus dem Baumarkt. Es gibt offensichtlich kaum Holz, aber Paletten. Wer Sylvester hier verbringen will, muss hart im Nehmen sein und darf keinen ängstlichen Hund haben. Der Hund meiner Freunde lag tagelang nur in der Badewanne und hat sich gefürchtet.
Als ich 2008 zum ersten mal hier war gab es ca 800.000 Touristen im Jahr. Jetzt sind es über 3 Mio und das merkt man deutlichst. Eine riesige Tourismusindustrie ist hier gewachsen.
Trotz aller Nachteile hat das aber auch zusammen mit den Massnahmen der Isländer dafür gesorgt, dass die letzte Finanzkrise wirklich überwunden ist. Die haben die Verantwortlichen in Island nämlich einfach eingesperrt. An ihnen kann man wirklich sehen, wie dämlich das Geschwätz in anderen Ländern ist, alles als „alternativlos“ zu bezeichnen.
Nach Sylvester in Reykjavik fuhren wir im Leihwagen Richtung Vik. Ich wollte die Wasserfälle auf dem Weg sehen und vielleicht das Flugzeugwrack im Solheimarsandur wieder besuchen. Es war ein strahlend schöner Sonnentag und er bescherte uns Bilder in atemberaubendem Licht vom Skogarfoss und vom Dyrholaey.
Aus dem Flieger wurde nichts, denn 4 h Tageslicht sind eben nur 4 h. Am nächsten Tag fuhren wir zurück zum Gullfoss in einem extrem heftigen Schneesturm und hatten Glück, dass wir noch durch kamen, denn laut meinem Kumpel wurde kurz nach uns die Strasse gesperrt.

Egal, geile Bilder waren im Kasten. Bei Thorsmörk war der Sturm vorbei und ich schaute mal, wie weit ich mit dem Fiat500 4x4 kam. Ich war überrascht, wieweit es war, denn inzwischen ist jede Menge des Weges asphaltiert. Die erste Flussdurchfahrt, an der ich umdrehte, war viel weiter als erwartet. Bei vielen früheren Flussüberquerungen wurde das Flüsschen einfach in eine Stahlröhre gequetscht und Schotter drübergeschüttet.
Der Gullfoss im Eis ist noch viel eindrücklicher, als sowieso schon. Wir waren auch an der kleinen Schlucht im Süden des Gullfoss, durch die sich sein ganzes Wasser zwängt. Man glaubt es kaum, sie war meterdick zugefroren. Unter dem Eis musste also immer noch das gesamte Wasser des Gullfoss durch und die Schlucht ist eh schon eng.
Am Tag danach war der Schneesturm wie weggeblasen (Achtung Wortspiel) und der Strokkur wieder in ganzer Pracht sichtbar. Ich hab ein tolles Bild im Gegenlicht erwischt, als der Strokkur grade hochging.

Beim Geysir war deutlich zu sehen, dass das Ende der Tourismusfahnenstange noch nicht erreicht ist. Überall im Golden Circle wird gebaut wie wild. Die haben wohl noch was vor. Mein Kumpel hat viel amerikanische Kundschaft. Laut seiner Aussage sind Flüge aus den USA so günstig, dass es sich für Amis lohnt, für 4 Tage mal schnell nach Island zu fliegen. Im Golden Circle ist die Alltagssprache deshalb englisch. Amis und Asiaten mit den unvermeidlichen und allgegenwärtigen Selfiesticks überall. Es ist auch ein alltägliches Bild geworden, dass Touris für schöne Bilder mitten auf der Strasse einfach stehen bleiben. Die Isländer machen echt was mit. Überall werden Touren mit fetten Allradlern angeboten, die Touris für Snowmobiltouren auf die Gletscher bringen.
Thingvellir
Überall an den Sehenswürdigkeiten gibt es inzwischen kostenpflichtige Parkplätze und Absperrungen, Asphaltierungen, Wege, Kioske und Toiletten. Krysuvik war 2008 noch richtige Natur und ist jetzt asphaltiert mit Parkplatz. Von seiner Schönheit hat das was gekostet, aber im Hinblick auf die Besucherzahlen haben sie das gut hingekriegt. Hier hab ich eine Deutsche mit einem sehr frühen Ninety kennengelernt und hab ihr natürlich gleich die Geschichte von meiner Restauration erzählt, da ihr Auto auch nicht mehr wirklich frisch aussah. Es war ein ehemaliger Leihwagen aus Akureyri.
Bevor wir nach Krysuvik kamen, fuhren wir natürlich auch an der blauen Laune vorbei. Wir entschieden nicht rein zu gehen. Sie war für Tage ausverkauft, kostete stolze 61,- CHF Eintritt und war rammelvoll mit Touris. Früher gab es für die Isländer Voucher in den Tageszeitungen, womit die dann für 50% hinein konnten. Inzwischen rollt der Tourirubel aber wohl so mächtig, dass das nicht mehr nötig ist.
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In Thorlakshöfn waren wir in einem schicken Puppenstubencafe mitten im aktiven Fischerhafen. Man konnte sich regelrecht vorstellen, wie sich besoffene Matrosen um die Requisiten und Staubfänger balgen 😁
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Vor der blauen Lagune gibt es ein grosses Lavafeld, das aus vielen Blasen und Höhlen besteht. Die Blasen entstehen, wenn die flüssige Lava über feuchte Flächen fliesst. Das Wasser verdampft und bildet mit seinem Druck die Blasen, die manchmal beeindruckende Grössen erreichen. Bei sehr grossen Blasen, wie zB am Myvatn, die oben einstürzen spricht man dann von Pseudokratern. Kein Wunder, dass solche Felder voller Blasen für die Isländer oft die Wohnungen von Trollen und Elfen sind. Hier lebt zB ein grüner Troll.
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Wir haben uns noch ausgiebig Reykjavik angeschaut. Alleine diese Stadt ist für viele Tage gut. Aber auch sie kommt im Sommer einfach besser, wenn man durch die lange Helligkeit richtig merkt, wie das Leben auf die Strasse verlagert wird. An jeder Ecke spielt dann eine Band, was es jetzt verständlicherweise gar nicht gab.
Der Sinn für Humor ist einfach auch immer da
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Harpa, Walmuseum, Nationalmuseum waren Highlights.
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Polarlichter
Und was bleibt für mich?
Polarlichter sahen wir dummerweise viel zu selten: Und als wir sie endlich doch sahen, waren wir - abgesehen davon, dass wir eine völlig falsche Kameraausrüstung dabei hatten - viel zu aufgeregt. Schlauerweise hatten wir uns auch noch eine Vollmondphase ausgesucht. Ein echter Anfängerfehler, denn Polarlichter sieht man einfach bei Neumond viel besser, wenn es richtig dunkel ist ... ![]()
Treibstoff kostete bei unserem Besuch übrigens ca. 198 ISK für Diesel und 208 ISK für Benzin 95 Oktan. Das sind ca. 1,85 CHF bzw. 1,92 CHF (ca. 1,63 EUR / 1,70 EUR, Stand 11/18).
Island ist im Winter so atemberaubend wie im Sommer … nur eben anders. Ich komme auf jeden Fall wieder, egal ob Winter oder Sommer. Aber so etwas ähnliches sagte ich schon nach meinem ersten Besuch vor vielen Jahren, denn ich sah den Gletscher auf der Halbinsel Snæfellsnes von den Westfjorden aus. Der Volksmund sagt, wenn man den sehen kann, würde man sowieso wiederkommen, denn normalerweise sind Wolken darauf. Ich habe mich dem gefügt und kam wieder, denn wenn so etwas in der Bibel steht, kann man da nichts gegen machen ...
Island polarisiert einfach: Entweder man hasst es oder man liebt es. Dazwischen gibt es kaum etwas, aber "kalt" lässt es niemanden!

































